Erfindungen sind Schätze der Zukunft!

Neuer SIGNO-Standard standardisiert die Patentbewertung

Das Patent als temporäres Monopol zum Schutz des geistigen Eigentums hat lange Tradition. Für viele ist es die Grundlage für die eigene Geschäftsentwicklung. Legendär als Patentinhaber und Unternehmer ist Artur Fischer: Entwicklung und Erfolg seines Unternehmens sind bis heute mit intelligentem Patentmanagement und dem Bewusstsein, dass Patente einen Wert darstellen, verknüpft. Wenn die Grundlage des Patentes der Geschäftserfolg ist, gibt es keine Bewertungsprobleme. Viele Anlässe verlangen jedoch nach einer Wertbestimmung. So zum Beispiel bei einem Unternehmensverkauf, bei Beteiligungen, Lizenznahmen oder Patentverkäufen. Auch im Insolvenzfall ist der Besitz eines Patentes von enormer Bedeutung.

Expertenteam SIGNO-Gutachten Patentwert: Wolfgang Müller, Dr. Wolfgang Knappe, Andreas Deutsch, Prof. Andreas Zagos, Dr. Klaus Kobek, Dr. Dirk-Oliver Kühne (v.l.n.r.)

Viele Faktoren sind bei der Patentbewertung unbekannt oder nur schwer einzuschätzen. Wer sind die potenziellen Lizenznehmer, wie verhalten sich die Märkte, welche Technologien können Bestehendes substituieren? Fragen, die oft nicht einfach zu beantworten sind. Ein Bewertungsstandard ist notwendig, der einfach, nachvollziehbar und damit kostengünstig ist. Diesen gab es in der Vergangenheit nicht: Bewertungen hatten nicht selten Ähnlichkeit mit dem Blick in die Kristallkugel. Hier setzt der neu entwickelte SIGNO-Standard an. Von erfahrenen Experten angewandt, schafft er eine sichere Grundlage für alle Bewertungsanlässe.

Erfindungen sind Schätze der Zukunft – sie gilt es zu heben und in marktfähige Produkte umzusetzen. Innovationen und der zeitliche Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern entscheiden darüber, wer im globalen Wettbewerb erfolgreich sein wird. Gerade in der deutschen Wirtschaft spielen technologiebasierte Wertschöpfungen eine wichtige Rolle. Um die wirtschaftliche Verwertung von Forschungsergebnissen, Neuentwicklungen und Erfindungen zu beschleunigen und zu verbessern, muss der Technologietransfer zwischen Unternehmen und zwischen Forschung und Wirtschaft gesteigert werden.

Ein zentrales Hindernis bei der Übertragung und Nutzung von immateriellen Wirtschaftsgütern ist die schwierige Bewertung der ökonomischen Erfolgsaussichten junger Technologien, die oft erst noch bis zur Marktreife weiterentwickelt werden müssen. Die Chancen und Risiken der gewerblichen Anwendung und der technischen Umsetzbarkeit sind in diesem frühen Stadium nur schwer zu prognostizieren.

Ein Lösungsansatz liegt in der Einbeziehung von Experten unterschiedlicher Disziplinen in den Bewertungsprozess. Denn eine fundierte Bewertung ist nur aus einer Kombination juristischer, naturwissenschaftlicher, technischer und ökonomischer Expertise möglich. Dies führt in der Praxis bislang zu hohen Kosten, die häufig weder dem Budget von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) noch dem Bewertungsanlass angemessen sind.

Das gegenwärtige Nebeneinander unterschiedlicher Bewertungsmethoden von immateriellen Wirtschaftsgütern im Allgemeinen und von Patenten im Besonderen hat zur Folge, dass die Ergebnisse des Bewertungsprozesses nicht miteinander vergleichbar sind und das erforderliche Vertrauen in die Wertbildung, den Wertbildungsprozess und die handelnden Institutionen fehlt; die Aussagekraft der Bewertung leidet.

Mit dem neu geschaffenen SIGNO-Standard kann es gelingen, den Technologietransfer zwischen Hochschulen und Unternehmen, zwischen freien Erfindern und Unternehmen und zwischen Unternehmen untereinander zu erleichtern und zu stärken. Wichtigstes Ziel des SIGNO-Standards ist es deshalb, Transparenz zu schaffen und eine vertrauensbildende, bundesweite Vereinheitlichung der Wertfindung zu ermöglichen.

Rahmenbedingung für den SIGNO-Standard war ein für KMU akzeptabler Aufwands- und Kostenrahmen. Durch seinen Checklistencharakter gewährleistet der Standard einerseits die Berücksichtigung aller maßgeblichen Faktoren. Andererseits trägt er dem Erfordernis eines vernünftigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses Rechnung. Seine Handhabung ist so flexibel, dass die Tiefe der Prüfung und der Umfang der Ausarbeitung und Dokumentation dem Anlass und dem Kostenrahmen angepasst und bei Bedarf erweitert werden können.

Unter der Moderation des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln haben sich erfahrene Spezialisten des SIGNO-Netzwerks in einer Fachgruppe zusammengefunden, um den Standard zu entwickeln und zu erproben. Die Gruppe setzte sich zusammen aus Experten verschiedener Organisationen, die seit Jahrzehnten im Bereich des Patent- und Innovationsmanagements tätig sind und über große Erfahrung bei der Bewertung von Technologien und Schutzrechten verfügen. Dazu zählen das Steinbeis-Transferzentrum Infothek, die EZN Erfinderzentrum Norddeutschland GmbH, die IMG Innovations-Management GmbH, die InTraCoM GmbH und die Fraunhofer- Gesellschaft.

Das SIGNO-Gutachten Patentwert gliedert sich in die fünf wesentlichen und standardisierten Abschnitte Rechte, Technologie, Unternehmen, Markt und Wertpotenzial. Basis der Bewertung nach dem SIGNO-Bewertungsschema ist das zuvor qualifiziert dargelegte, konkrete Verwertungsszenario samt der Einflussfaktoren, Chancen und Risiken. Neben den inhaltlichen Schwerpunkten legt der Standard besonderen Wert auf die Art und Weise der Begutachtung und das Ergebnis. Sowohl die Abläufe, die Informationsgewinnung, die Form aber auch das Miteinander mit dem Auftraggeber wird beschrieben. Entscheidend ist die Qualifikation und Erfahrung des Experten. Das SIGNO-Gutachten Patentwert wird im Steinbeis-Transferzentrum Infothek angeboten.

SIGNO

Mit dem Programm SIGNO unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Hochschulen, Unternehmen und freie Erfinder bei der rechtlichen Sicherung und wirtschaftlichen Verwertung ihrer innovativen Ideen. SIGNO informiert über den gewerblichen Rechtsschutz geistigen Eigentums, fördert die effiziente Nutzung wissenschaftlich-technischer Informationen und hilft bei der Umsetzung von Erfindungen in am Markt eingeführte Produkte. Das SIGNO-Gutachten Patentwert befasst sich mit den Themen:

Rechte: Das Patent als dokumentiertes Schutzrecht ist die Voraussetzung einer Bewertung. In welchen Ländern ist es wann angemeldet worden, wie ist der Umgang des Schutzrechtes, wer sind die Rechteinhaber? Eine Fülle an Fragen, die beantwortet werden muss.

Technologie: Eine Erfindung, die nicht funktioniert, hat keinen wirtschaftlichen Wert. So offenkundig dies erscheint, so wichtig ist es, diesen Aspekt zu untersuchen. Entsprechend umfasst die Bewertung der Technologie ganz unterschiedliche Aspekte und Fragestellungen. Am Anfang sollte jedoch eine kurze Beschreibung der Technologie im Kontext zum Stand der Technik stehen. Anschließend sind der Entwicklungsstand, die technische Realisierbarkeit und die Umsetzungswahrscheinlichkeit sowie die notwendigen Restarbeiten darzustellen.

Unternehmen: In dieser Kategorie werden die Anforderungen an die unternehmerische Umsetzung der Neuentwicklung untersucht. Gegenstand hier ist das Unternehmen, in dem die neuen Produkte oder Verfahren hergestellt oder eingesetzt werden sollen, die räumlichen Voraussetzungen sowie die erforderlichen sachlichen und personellen Mittel.

Markt: Die zu erwartenden Zahlungsüberschüsse während der wirtschaftlichen Nutzungsphase hängen entscheidend davon ab, in welcher Marktsituation sich die patentierten Produkte oder Verfahren im Wettbewerb befinden. Für die Kalkulation der Erwartungen sollte möglichst auf Erfahrungs- oder Vergleichswerte zurückgegriffen werden, auch wenn dies angesichts der Neuheit von patentierten Technologien quasi per Definition ausgeschlossen zu sein scheint.

Wertpotenzial: Für Patente gibt es verschiedene wirtschaftswissenschaftliche Wertkonstrukte, nahezu ebenso viele Wertansätze und noch zahlreichere Bewertungsmethoden. Im SIGNOStandard werden die in Theorie und Praxis häufigsten und bedeutsamsten Methoden gewählt, um eine möglichst hohe Praxistauglichkeit und Akzeptanz der Gutachten zu erreichen. Dies ist zunächst die Methode nach der Lizenzanalogie sowie die Ertragswertmethode.

Zuletzt geändert am 23. Juni, 2010 von ajr(admin)